76 Seen Attersee Unesco Welterbe

Attersee: in der Ruhe liegt die Kraft

Attersee - 76 Seen - Salzkammergut

„Ich sehne mich hinaus wie noch nie“ ließ der Sommerfrischler Gustav Klimt seine angebetete Emilie Flöge via Postkarte wissen. Eine Sehnsucht, die man durchaus als Seensucht verstehen lernt, wenn man am Attersee sein Herz hat Wurzeln schlagen lassen. Ich gestehe es freimütig, dieser See hat mein Leben verändert.

Mein Büro würde sicher – gäbe es das Prädikat – als „Room with a view“ – durchgehen, auch wenn mir die hochgewachsenen Pappeln vor der Insel Litzlberg die Weitsicht partiell verstellen. Ich liebe meinen Panoramablick. Nicht, weil er begehrt ist, sondern weil er in sekundenschnelle entschleunigt. In der Ruhe liegt die Kraft. Das merkt man am Attersee ganz besonders. Der größte aller Salzkammergut-Seen ist die perfekte Slow Travel-Destination. Wenn man sich darauf einlässt merkt man schnell, dass nichts alles und alles nichts sein kann.

Sein sommerliches Farbenspiel ist unvergleichlich und schimmert von sonnendurchflutetem Türkis bis smaragdenem Grün. Die wahren Momente erlebt man aber außerhalb der Sommersaison. Wenn Lichtstimmungen mit Nebelschwaden wechseln und das Höllengebirge mehrfach am Tag entschwindet. Oder wenn das Abendrot die Berge zur majästetischen Kulisse adelt.

Zwei Gustave haben ihm auch ein künstlerisches Denkmal gesetzt: Gustav Klimt schuf viele Bilder aus unterschiedlichen Blickwinkeln am See, Gustav Mahler komponierte in Steinbach Teile der 2. und die gesamte 3. Symphonie. Der Attersee hat von jeher Künstler wie Denker in seinen Bann gezogen. Marlene Dietrich oder Arturo Toscanini logierten in Schloss Kammer, Luigi Visconti hat in Unterach sogar einen Film gedreht.

Nun hat – aufgrund der prähistorischen Pfahlbauten – auch das UNESCO Welterbe hier Einzug gehalten. Und keinen touristischen Tsunami ausgelöst, was daran liegen dürfte, dass bis jetzt auch noch nicht viel zu sehen ist. Man darf gespannt sein, ob die Landesausstellung 2020 den Attersee aus seinem Dornröschenschlaf wecken wird. Die Chancen stehen eher schlecht: Ein- wie „Zweit“wohner beklagen sich zwar viel, lieben im Grunde aber die Beschaulichkeit.

 

Faktencheck Attersee:

Länge: 18,9 km
Breite: 1,25 – 3,3 km
Tiefe: 172,6 Meter

 

 

 

 

 

 

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