Attersee Unesco Welterbe

Quo vadis? Gemeindepolitik in Seewalchen und Attersee

Seewalchner Gemeindepolitik im Nebel

Derzeit gehen die Wogen in den Pfahlbau-Gemeinden Seewalchen und Attersee hoch. Schauplatz der Auseinandersetzungen sind Immobilien- bzw. Gewerbeprojekte, im Hintergrund steht die Landesausstellung „versunken – aufgetaucht“ 2020, die außer am Attersee auch noch am Mondsee stattfinden wird. Denn Sie benötigt Platz, bringt Gelder und eine Dynamik, die deutliche Schwächen zutage treten lässt. Wesentlicher „2020“-Hinweis im Moment sind drei Pfahlbau-Pavillons in den Gemeinden und ein bemerkenswerter Pfahlbau-Spielplatz an der Promenade in Seewalchen. Das Seewalchner Pfahlbau-Fest mit Einbaumrennen im vergangenen Sommer hat klar gezeigt: hier ist viel Potenzial zur Bildung einer eigenen touristischen Identität unter dem UNESCO-Welterbesiegel.

Seit der beherzten Revitalisierung des Büchsenmeistergütls und der Neueröffnung als Cafe Bandlkramerey durch das Familienunternehmen Tostmann gibt es in Seewalchen eine weitere historische Chance, die seit Jahrzehnten von der Firma Tostmann gelebte Authentizität und Nachhaltigkeit aufzugreifen und weiterzuführen. Für jeden Marketingverantwortlichen wäre ein derartiges Alleinstellungsmerkmal, wie sie beide Tostmann-Standorte für eine Gemeinde bieten, ein 6-er Lottogewinn mit Zusatzzahl. Für die risikofreie Regionalentwicklung eines Ortes ist diese Basis geradezu prädestiniert. Hier noch eine Achse zum Welterbe zu schlagen wäre die eigentlich faszinierende Aufgabe.

Die Gemeindeverantwortlichen in Seewalchen haben trotzdem großzügig über die Köpfe ihrer Einwohner (und 1.000 Unterschriften) hinweg die Genehmigungen für ein Fachmarktzentrum am Ortsrand durchgepeitscht, wodurch der derzeitige Spar-Markt rechtzeitig zur Landesausstellung versunken und als Ausstellungsgelände wieder aufgetaucht sein wird.

Die Grünen Seewalchen haben in dieser Causa einen Antrag auf Abhaltung einer Volksbefragung gestellt, wofür derzeit in der Gemeinde unterschrieben werden kann. Wer hier seine Stimme abgibt, entscheidet nicht über das Fachmarktzentrum, sondern vor allem gegen eine Vorgangsweise, die bewusst an den Bedenken der Bürger vorbei agiert. Es ist eine Stimme für ein Miteinander, für einen lebendigen Austausch und einen Perspektivenwechsel. Eine modernes politisches Verständnis wächst am Finden und Heben von Schätzen in einem Ort, nicht am Verdichten der Anzahl von Fachmarktzentren außerhalb.

In Attersee wird neben der Ausstellungsfläche 2020 auch ein neues Gemeindeamt benötigt. Damit wäre die Nachnutzung bereits fixiert. Für die Findung des Standortes will das Gemeindeoberhaupt (laut OÖN vom 05.01.17) die Bevölkerung mit einem Bürgerbeteiligungsverfahren so gut als möglich einbinden. Darüberhinaus hat sich über facebook die Gruppe „Rettet die Promenade am Attersee“ mit derzeit 570 Mitgliedern formiert. Der erste Meinungsaustausch zum Landesausstellungsprojekt findet heute um 18 Uhr vorm Atterseer Gemeindeamt statt, anschließend können Interessierte gleich die Frageviertelstunde bei der Gemeinderatssitzung nutzen.

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