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Glücksplätze

Bräuche im Salzkammergut

Liachtbratlmontag in Bad Ischl

Danke an Edmund Brandner von den OÖN für die Zurverfügungstellung des Bildes vom Liachtbratlmontag in Bad Ischl.

Ein Buch über die „Gelebte Tradition im Jahreskreis“, Bräuche, die sich quer durch die Salzkammergut-Landschaft ziehen: das ist auch so etwas wie eine historische Reise zurück zu den Ursprüngen in die tiefe Geschichte der Volkskultur und von hohem dokumentarischen Wert. Die Gmundnerin Sandra Galatz hat im Pustet-Verlag ein lebendiges Kompendium vorgelegt, mit dem man Monat für Monat der Brauchtumswelt einer kleinen, aber sehr heterogenen Region interessiert folgen kann.

Es ist September als ich es lese, Michaeli (29. 9.) steht vor der Türe. Das Wochenende davor ein Fixpunkt für alle Schafbesitzer: bei der Lampömusterung kommen Schafler, Ausschreier und Tiere zusammen, um sich nach der langen Sommerweide wieder zu finden. „I’m linkn Öh’l a Loh“ heißt das Kapitel im Buch, wo beschrieben ist, wie der Ausschreier die Nummer des Schafes laut über die Almen ruft, sodass sich der Besitzer melde. Wer die Gelegenheit hat fährt nach Bad Goisern auf die Hütteneck Alm, wo normalerweise ab 11 Uhr die Schafe in einem Gehege zusammengetrieben werden.

Als nächstes kommt der Liachtbratlmontag, Ausnahmezustand im Inneren Salzkammergut. Traditionellerweise war dies jener Tag, an dem in den Handwerksbetrieben wieder das Licht angezündet worden ist und der Chef seinen Arbeitern ein Bratl zahlen musste. Diese Tradition hat sich in vielen Gemeinden bis heute erhalten, in Ischl ist er nach wie vor ein Feiertag, wo die 10-er Jahrgänge ab 50 nach dem Morgenritual (Foto, Umzug, Kirche) zu einem gemeinsamen Ausflug aufbrechen. Gratulanten stehen schon frühmorgens an der Straße und überreichen den Jubilaren kleine Geschenke, viele Geschäfte teilen Kleinigkeiten aus. Das muss man erst einmal erlebt haben!

Am Attersee findet am Samstag vor Michaeli seit 1680 die traditionelle Holzknechtwallfahrt statt, wo ein Schiff von Unterach über Weißenbach, Steinbach und Weyregg die Holzknechte auflädt und zur Wallfahrtskirche Maria Attersee bringt. Denn ohne das Holz vom Attergau und Attersee – über die technische Errungenschaft des Hallholzaufzuges auf dem Weißenbach nach Ischl getriftet – hätte es in den Salinen schlecht ausgesehen. Und ohne das Getreide des Attergaus, das in der evangelischen Kirche in Ischl – damals noch Getreidedepot – gelagert worden ist.

Da bin ich nun leider an einem wunden Punkt des Buches angelangt, das „einen Bogen über das gesamte Salzkammergut und teils angrenzende Regionen“ spannen will, wie es im Vorwort steht. Es reicht vom Almtal übers Ausseerland bis an den Mond- und Wolfgangsee, der Attersee und seine Volkskultur findet sich aber so gut wie nicht drin.

Deshalb hier noch ergänzend:

Der Leonhardiritt in Weißenkirchen (legendär seit 1711 und die größte Brauchtumsveranstaltung im Attergau), das Maronifest in Unterach, das Christbaumtauchen in Nussdorf und Unterach oder der Georgiritt in St. Georgen hätten sich einen Eintrag oder eine Erwähnung in den entsprechenden Kapiteln ebenfalls verdient.

Eine ganz besondere Rarität, die nur alle 50 Jahre in Attersee stattfindet, sei hier auch noch erwähnt: das Marienbild in der Wallfahrtskirche stammt eigentlich aus St. Georgen und wurde 1652 nach Attersee gebracht und so die eigentliche Wallfahrtskirche Maria Attersee begründet. Alle fünf Jahrzehnte wird es für einige Tage in einer feierlichen Prozession zurück in die Kirche nach St. Georgen gebracht. Das letzte Mal fand dies am 15. August 2002 statt. Am 8. September, zu Maria Geburt, wurde es wieder zurückgetragen.

Am Wochenende nach St. Gallus (16. Oktober) findet in Schörfling seit Jahrhunderten Sonntag und Montag der traditionelle Gallusmarkt statt. Es war früher der wichtigste Viehmarkt in der Region und auch der Tag der Gerichtsbarkeit. Als Symbol wird bis heute bereits zwei Wochen vorher an einer Hausfassade ein Richtschwert als Symbol der Marktordnung beim Kirchenaufgang aufgehängt.

Vielleicht lässt sich diese Salzkammergut-Achse in der nächsten Auflage noch dazufügen.

Buchtipp: Sandra Galatz: Bräuche im Salzkammergut. Gelebte Tradition im Jahreskreis. Verlag Anton Pustet. 206 Seiten, € 25,00

Bräuche im Salzkammergut

 

 

 

 

 

 

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