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890 Gstanzln – von Hans Peter Falkner

890 Gstanzln

Zu Beginn meiner journalistischen Karriere – damals als freie Kulturmitarbeiterin des Vöcklabrucker Wochenspiegels – begegnete ich dem blutjungen Duo Attwenger zum ersten Mal im zum Bersten vollen Kultursaal von Timelkam. Was für ein Abend!!! Eine Grenzerfahrung, aufwühlend, bewegend, mitreißend. Diese schräge Verbindung aus Mundartgstanzln und einer Melange unterschiedlichster Musikstile war in der Zeitrechnung vor Erfindung des Internets, von youtube oder spotify völlig neu. Das Publikum war vollkommen geflashed und ich tagelang energetisiert.

Der Attwenger-Hälfte Hans Peter Falkner ist es auch zu verdanken, dass die Gstanzln in ihrer Urform der oberösterreichischen Mundart nicht verloren gehen. 1996 erschien im feinen Waldviertler Verlag Bibliothek der Provinz die ersten 1234 Gstanzln, 1999 folgten 567 weitere und nun hat der Archivar der in freche Vierzeiler verdichteten Alltagsgeschichten den best of-Abschluss der Trilogie „890 Gstanzln“ vorgelegt.

Es versteht sich von selbst, dass das Salzkammergut in der Gstanzl-Welt nicht fehlen kann.

de gosauer mentscha
schtehend kniatiaf im see
owa buama daboamts eng
da hunga tuad weh

da traunschtoa is gschpizad
und da see noß
mei oide is kropfad
i woaß ned vo was

da schofberg is hoch
und deisenau weid
zum nochban was nahad
haum dmentscha koa schneid

Um es kurz zu machen: das Buch ist der Hammer. Voll Ironie aber auch tiefer Gefühle, direkt aus dem Leben, ungeschminkt, wie es sein kann. HP Falkner und der Bibliothek der Provinz ist nicht genug zu danken, dass sie ein Kleinod tiefster oberösterreichischer Kulturgeschichte weitertragen. Und als Draufgabe findet sich noch eine CD im Einband, auf der Falkner, das Duo Attwenger und andere Begleiter original zu hören sind. Sehr fein!!!

 

 

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