Ausseerland Bücher

Die Neinstimme von Altaussee

Am Friedhof in Altaussee

Ich finde Greta Thunberg grandios. Sie ist konsequent, mutig, fokussiert und angstbefreit, wie man sich ein Kind nur wünschen kann. Seit Monaten steht sie freitags vor, statt in der Schule, um die Welt zu retten. Das ist Haltung! Und zur Konferenz nach Davos von Schweden? Natürlich reist Greta öffentlich. Man kann nicht über Umweltschutz reden und dann in den Billigflieger steigen. Möge ihr die Geschichte mehr als einen Funkenflug einräumen. Es sind die Gretas, die uns Hoffnung geben können.

Von der Geschichte vergessen war Maria Haim aus Altaussee, bis ihr Wolfgang Martin Roth in seinem interessanten Band „Die Neinstimme von Altaussee“ eine neue Identität gab. Ich entdeckte ihn in der wie immer gut sortierten Buchhandlung Buch & Boot und war schon vom Titel magisch angezogen.

Am 10. April 1938 stimmte die gläubige Haim als einzige Person in Altaussee gegen den Anschluss und verwirkte den Altausseern dadurch das Recht, eine Führereiche zu pflanzen. Eine örtliche Schmach. Dass sie fortan nur mehr als „Neinstimme“ galt und ihres Namens beraubt war, ist überliefert. Noch heute sucht man ihn vergeblich am Familiengrab. Das Buch erläutert nicht nur die faszinierende Geschichte von Maria Haim, sondern macht es möglich, Vieles der damaligen Zeit im Originalwortlaut zu erfahren. Beispielsweise wie katholische Bischöfe in einer feierlichen Erklärung zur nationalen Pflicht aufriefen. Oder wie der Wahlzettel selber aussah.

Die 48 Seiten sind schell durchgelesen. Vergessen kann man sie nicht mehr. Selbst beim sonst so leichtfüßigen Gang durch den Friedhof, fühle ich mich plötzlich schwer. Altaussee ist mir nach der Lektüre fremd geworden. Maria Haim dafür unglaublich nah. Ich danke Wolfgang Martin Roth, dass er mir dieses Kapitel der Zivilcourage näher gebracht hat. Die Widmung des Buches sei hier als Schluss notiert: „Man muss mit der Stirn gegen die Nacht angehen.“ (René Char). Für Maria Haim und die Gretas dieser Zeit.

Buch-Tipp: Wolfgang Martin Roth: Die Neinstimme von Altaussee. Sonderzahl-Verlag. € 14,00

1 dünnes Buch, schnell gelesen, tief bewegt

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