Die Birnbaumallee in Weyregg

Es gibt Orte, die sich nicht aufdrängen.

Sie sind einfach da und wenn man zur richtigen Zeit kommt, schenken sie einem etwas, das man nicht festhalten kann. Nur erleben. Die Kaiser-Jubiläumsallee in Weyregg am Attersee ist so ein Ort. Vielleicht wird sie deshalb auch eher als Liebesalle bezeichnet. Auf das Kaiserliche würde man längst vergessen haben, stünde am Wegrand nicht ein Denkmalstein, dessen kaiserliches Konterfei während der Zeit des Nationalsozialismus einem Edelweiß weichen musste. Seit 1988 ist das Bild des Kaisers wieder zu sehen.

Grundlage für diesen Streifen Eden war der Aufruf des Vereines zur Förderung des Fremdenkverkehrs am 1. März 1880 im Linzer Volksblatt. Anlässlich des 50. Dienstjubiläums des Kaisers mögen Gemeinden einen Kaisergarten errichten oder zumindest eine Allee – vorrangig aus Obstbäumen – pflanzen. In Weyregg legte man 1897 eine Birnbaumallee auf einem leeren Wiesengrund an. Der Kaiser war durch sein sommerliches Jagdgebiet am Höllengebirge auch am sommerlichen Attersee präsent. Deshalb wurde die Straße durchs Weißenbachtal schon früh gut ausgebaut und trugen die Sesselträger von Ischl kommend Besucher zum Seeufer herüber.

Linzer Volksblatt, 1. März 1880.

Wenn im Frühjahr hier die Bäume in voller Blüte stehen, verwandelt sich dieser Weg in einen fast unwirklichen Raum. Wie duftige Mäntel überziehen Millionen von Blüten die Äste, als hätte jemand einen Hauch von Licht darüber gestreut. Der Wind ließ viele von ihnen heute durch die Lüfte tanzen, während die Tonkulisse des Wellenschlags vom Attersee sich dazu gesellte. Die ersten Mutigen waren im 8-Grad kaltem Wasser zu sehen. Alles zusammen ein seltenes Schauspiel von Oscarverleihungs-Qualität.

2023 – zum 125-jährigen Jubiläum – wurden Baumpaten gesucht und dank deren finanzieller Unterstützung über die Jahre gefällte Bäume nachgesetzt. Nun sind Winawitz, die Schweizer Wasserbirne und die Steirische Speckbirne hier vertreten. Jetzt ist die fantastische Büte von 63 alten Birnbaumsorten und 22 Stadtbirnenbäume (sie tragen keine Früchte) zu erleben.

Ein Moment im Jahr, in dem alles zusammenpasst. Und während die Blüten fallen, fast unmerklich, versteht man: Schönheit ist nichts, was bleibt.