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Die Villen vom Ausseerland

Villa Castiglioni

Herbstlicht im Ausseerland: wie jedes Jahr ein ganz besonderer Reiz. Die Schatten werden länger, das Licht milder, auf der Oberfläche des Altauseer Sees glitzert es. Nach den Aktivitäten des Sommers ist Ruhe eingekehrt, Zeit gute Bücher zu lesen.

Wie das neue Buch von Marie-Theres Arnbom, die ihrer Villen-Reihe Attersee, Bad Ischl, Traunsee und Pötzleinsdorf nun das Ausseerland dazugefügt hat. Hier bietet die Geschichte – verglichen mit den anderen Salzkammergut-Regionen – ein ganz eigenen Stoff. Die Gegend ist historisch durch viele Bücher, ja sogar Hollywoodfilme belegt. Da  heißt es aus vielem das Richtige zu schöpfen. 

„Jedes Buch entwickelt eine gewisse Eigendynamik und bestimmt die Reise mit“, schreibt Arnbom im Vorwort. „Das Ausseerland ist geprägt von starken Frauen: frühe Frauenrechtlerinnen und Schriftstellerinnen, Studentinnen und Schauspielerinnen, Salondamen und Reformpädagoginnen. Sie alle zeigen eines: die Sommerfrische ist weiblich.“

Dieser Fokus war bis jetzt unbekannt. Und so folgt man bei der Lektüre Persönlichkeiten, die man gerne kennengelernt hätte. Die feurige Ria Munk (Bad Aussee) beispielsweise, die dreimal von Gustav Klimt gemalt worden ist und blutjung aus dem Leben schied. 

Durch regen Besuchsverkehr der Sommerfrische-Gesellschaft untereinander entstehen Netzwerke und Verflechtungen, die weitere Menschen anziehen und regionale Gruppierungen entstehen lassen. In Altaussee sind es die Jagdhäuser der Aristokratie, die Jahre später von den Nazis übernommen werden. Am See sind aber auch die Literaten zuhause. Jakob Wassermann wird Besitzer des schönsten Hauses – heute noch gut sichtbar – glücklich wird er darin aber nicht. In Altaussee trifft Arnbom mit der Villa Wilhelm Jungmann auch auf die Familiengeschichte ihres Mannes Georg Gaugusch, der in Wien die erste Adresse für feines Tuch „Wilhelm Jungmann & Neffe“ betreibt. Das Haus im Salzkammergut hat den Besitzer längst gewechselt und ist heute als Ferienvilla zu mieten.

Am Grundlsee finden sich jene wieder, die etwas entrückt zur Ruhe kommen wollen. Die schlossartige Villa Castiglioni (Beitragsbild) ist auch heute noch sichtbares Zeichen dafür. Max Reinhardt und Hugo von Hofmannsthal treffen dort mit der Idee der Gründung der Salzburger Festspiele auf offene Ohren. Iphigenie, die Schauspielerin und Frau des „Finanzhais“ Castiglioni, ist mit Reinhardt bestens befreundet. Auch Richard Strauss geht ein und aus.

Nach der Finanzkrise samt Bankrott Castiglionis und der folgenden Scheidung, wird Iphigenie die Villa überschrieben. Doch sie geht nach Hollywood und verkauft den auffälligen Besitz 1938. Während des Krieges wird dort die Bibliothek des Führers untergebracht, dann ziehen die Amerikaner ein. 

In Bad Aussee bilden Sommerfrische und Kurbetrieb eine feste Allianz. Auch dort sind Frauen federführend. Clara Schreiber, die mit ihrem Mann ein Sanatorium gegründet hat, ist eine große Salonìere, die viel Prominenz anzieht. Ihre Töchter erzieht sie selbst bestimmt nach dem Grundsatz, dass auch Frauen ihres Standes arbeiten sollten, egal ob sie verheiratet sind oder nicht. 

Wer „Die Villen vom Ausseerland“ liest, wird viele weitere faszinierende Geschichten und interessante Details finden. Es ist eine Reise zu den Ursprüngen der Häuser und bietet – auch für Insider – die Möglichkeit, die Region im steirischen Salzkammergut neu zu entdecken.

Buchtipp: Marie-Theres Arnbom: „Die Villen vom Ausseerland“, Amalthea-Verlag, 272 Seiten  € 26,00.

Der Buchhändler meines Vertrauens – Erich Weidinger – schickt es Ihnen gerne zu!

Die Villen vom Ausseerland

 

 

 

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